Beitrag für den Gemeindebrief Oktober 2013 der ev. Kirchengemeinde Stammheim

Es ist Sonntag morgen, 9:30 Uhr Johanneskirche. Gottesdienstzeit. Zwei Leute sind da: Der Pfarrer und die Mesnerin. Doch wo sind die Gemeindeglieder? Zuhause geblieben. Jeder für sich. Seit es die tolle neue Übertragung im Internet gibt, spart man sich den Weg in die Kirche.

Das klingt für sie seltsam? Nun, so ganz abwegig ist dieser Gedanke nicht. Dienste wie Facebook oder Twitter reden geradezu inflationär von Freunden und Begegnung. Aber sind 200 Freunde noch Freunde? Interessiert es wirklich, wenn alle 5 Minuten irgendein Gezwitscher mir sagt, dass Henri gerade die Brezel beim Bäcker ergattert hat? Und wie begegnet man sich eigentlich, wenn man nie zur gleichen Zeit am gleichen Platz ist?

Begegnung: Das ist einer der Schwerpunkte unserer Gemeinde. Als Informatiker bin ich mit dem Internet bestens vertraut. Und doch: Eine richtig altmodische Begegnung beim Archefrühstück, zum Gottesdienst oder bei einer anderen Gelegenheit schätze ich weit mehr, als das „Begegnen“ über eine scheinbar unüberbrückbare Distanz.

Ich finde es wichtig, dass wir als Gemeinde Begegnung möglich machen. Denn nur so kann ich erfahren, was andere wirklich Denken und Empfinden. Denn das Lächeln, das fehlt mir im Internet. Und: Haben Sie schon mal statt Ihrer Tochter den Computer umarmt?